Montag, 17. Oktober 2011

Nachtrag zu "Mit Blut und Mühe haben sie den Glauben erkauft!"

Nach der Mahnwache saßen wir noch mit ein paar koptischen Christen vor einem Eiscafe (Christsein führt Menschen doch auf eine wundervolle Weise zusammen). Auf einmal fragt ein etwa 10-jähriger koptischer Junge: Warum trauern die Menschen eigentlich überall so sehr um einen einzelnen wie Steve Jobs und für die 35 toten Christen interessiert sich kaum jemand?
Natürlich hätte jeder von uns eine ganze Reihe Erklärungsmodelle anbieten können, aber uns allen hat die Scham darüber die Sprache verschlagen.
Aber genau eine solche Frage muss für uns immer eine Anfrage, ja mehr noch ein Stachel im Fleisch bleiben. Wer kann uns besser die Wahrheit vor Augen halten als ein Kind?

Sonntag, 16. Oktober 2011

Mit Blut und Mühe haben sie den Glauben erkauft!


Ein wunderschöner blauer Himmel, die Sonne gibt noch einmal alles, um den Hauch eines mediterranen Flairs in der Düsseldorfer Altstadt zu zaubern, den Menschen ist nach Erholung und leichter Heiterkeit zumute, die sich an den vollständig besetzten Außentischen der „längsten Theke der Welt“ entspinnt.
Mitten in dieses herbstliche Idyll bricht die grausame Realität eines Frühlings, der eine wahre Hölle geboren hat. Bilder verstümmelter Menschen, entstellter Toter und grausam Gefolterter. Bilder, die in jedem Menschen Wut und Empörung oder doch zumindest Mitleid hervorrufen. Hier findet sich allerdings nur eine kleine Gruppe zusammen – nicht mehr als 200 Personen halten eine Mahnwache, die meisten davon aus ihrem Heimatland emigriert und nun in Deutschland lebend. Das Interesse der Tausenden von sonnenhungrigen Sonntagsspaziergängern ist denkbar gering, hin und wieder schaut man kurz hin, um sich dann sofort wieder Vergnüglicherem zuzuwenden.
Es geht ja auch keinen wirklich an. Ägypten ist ja so weit weg, bei jeder Revolution gibt es unvermeidliche Opfer, da kann man eben nichts machen. Irgendwie sind die wahrscheinlich auch nicht ganz unschuldig – religiöse Unruhen eben. Kopten? Was waren das doch gleich? Ach das sind doch nur Christen!

Ja, es sind Christen! Sie sind die wirklichen Nachfahren der alten Ägypter, die Urbevölkerung, die muslimischen Araber sind letztlich nur späte Einwanderer. Sie sind nicht die Nachfahren christlicher Imperialisten, sie sind keine Konvertiten vom Islam sondern sie gehören zu einer der ältesten Kirchen der Welt. Um das Jahr 60 ist die koptische Kirche vom Evangelisten Markus gegründet worden, der auch heute noch in Ägypten begraben läge, hätten ihn nicht die Venezianer geraubt. Ägypten ist also urchristliches Kernland und es ist dem Mut und der Opferbereitschaft der ägyptischen Christen zu verdanken, dass es hier – anders als beispielsweise in der Türkei – noch eine nennenswerte christliche Gemeinde gibt. Wie viel Märtyrerblut ist in Ägypten schon geflossen! Und letzten Sonntag waren es wieder Dutzende unschuldiger Christen, die für ihren Glauben starben. Und hier? In unserem Land, in dem sich zwei Drittel der Bevölkerung Christen nennen? Beredtes Schweigen! Oder das gewohnte Zollitsch-Geschwurbel: „die Spirale der Gewalt beenden“ - gerade so als ob es sich um die Auseinandersetzung zweier Bürgerkriegsparteien handelte.
Es muss aber immer wieder festgehalten werden: Friedlich demonstrierende Christen wurden von fanatisierten Muslimen und Angehörigen des Militärregimes ermordet!
Was können wir aber jetzt konkret tun?
  1. Beten, beten und nochmals beten für Opfer und Täter! Ohne unseren Herrn können wir nichts tun!
  2. Möglichst viele Menschen über die tatsächliche Situation der Christen in Ägypten informieren!
  3. Druck auf unsere Politiker und auf unsere Bischöfe machen, damit sie sich unserer Märtyrerbrüder annehmen!

Freitag, 7. Oktober 2011

Dialog in Duisburg PATER MENDACII PARS II

Hier meine eigenen Erfahrungen mit dem von Erzbischof Zollitsch so hochgepriesenen, nicht endensollenden Allheilmittel Dialog:

„Die Jugend ernährt sich von Träumen, das Alter von Erinnerungen.“ (Jiddisches Sprichwort)

Mittwoch 28.9.11 19.35 Noch bevor langsam ca.150 Personen lautstark in die Kirche St. Josef, Duisburg, eingetreten sind, finde ich mich in einem Gotteshaus wieder, dessen Inneres mehr dem Palast der Republik (nicht umsonst genannt Erichs Lampenladen) ähnelt als einem sakralen Ort – am Eingang billige Stehtischchen, dann Bankreihen, vorne im Chorraum eine Leinwand, an die die allfällige Powerpointpräsentation projeziert werden wird, der Herr im Tabernakel verschämt an der Seite platziert. Keiner der Organisatoren verschwendet eine Kniebeuge zum Allerheiligsten. Das Publikum ist wie auch sonst in vielen Gottesdiensten vorwiegend graugemischt, die sonst geburtenstarken Jahrgänge sind spärlich vertreten, die Zahl der Jugendlichen ebenso überschaubar. Die Lokalmatadoren und Platzhirsche begrüßen ihre Klientel. An einer Wand hängen ca. 500 Postkarten, der Rücklauf einer Befragung zu Wünschen und Anliegen, bei der über 20000 davon ausgelegt wurden.
Nach einer Begrüßung führt ein auch schon in die Jahre gekommenes Mitglied des Diözesanrates durch die Veranstaltung. Zuerst wird die systematisierende Zusammenfassung der auf den Karten vorgelegten Anliegen zum Besten gegeben, anschließend besteht die Möglichkeit sich an den Stehtischchen zu bestimmten Feldern auszutauschen. Ich wähle das Themenfeld Liturgie und Pastoral. An unserem Tisch sind ca. 8 Personen. In einer Runde stellen wir uns und unsere Anliegen vor. Ich spüre deutlich eine gewisse Anspannung und Unsicherheit, man hält sich zurück und setzt eher auf Gemeinplätze. Davon angesteckt trage ich zuerst allgemein, dann aber deutlich meinen Wunsch nach einer Liturgie in vollem Einklang mit der Weltkirche vor und ernte teils betretenes Schweigen, aber bei zwei Leuten auch zustimmendes Nicken. Um unseren Tisch zieht ein emeritierter Theologieprofessor (Prof.em. Dr. Franz-Josef Nocke) seine Runden. Gut erinnere ich mich noch, wie er auf einer anderen Veranstaltung, den Bericht über die eifrige Wahrnehmung der eucharistischen Anbetung auf dem Weltjugendtag mit dem Ausspruch kommentierte: “Wir (!) haben das II.Vatikanum doch nicht gemacht, damit die Leute jetzt wieder anfangen, diese Oblate anzubeten.”
Doch wieder zurück zu unserem Tisch. Leider verging die Zeit so schnell, dass wir in keinen weiterführenden Austausch eintreten konnten. Man bestimmt mich mehr oder weniger durch Akklamation zum Sprecher dieses Tisches. So trete ich auch als erster vor und versuche die Anliegen an unserem Tisch vorzutragen, allerdings sehr konsensorientiert, um eben den Dialog nicht irgendwie zu behindern (aus jetziger Sicht sicher ein Fehler), die nächsten Berichte sind zumeist sehr aggressiv vorgetragene Statements, wobei auch oft eine gewisse, nicht unerhebliche Larmoyanz zur Schau getragen wird. Der einzige Lichtblick sind zwei Jugendliche, die davon träumen, einfach nur katholisch sein zu dürfen. Dabei ernten sie zustimmenden Beifall, aber nur von einem kleinen Teil des Auditoriums. Richtige Beifallsstürme erheischen hingegen die beiden letzten Wortmeldungen. Der erste ein von tiefem Leiden an der Kirche extrem betroffener älterer Herr,  – zeitweise befällt einem Angst, ob dieses Leiden an “Kirche” für seine Gesundheit nicht zuviel ist. Und natürlich unvermeidlich ganz am Ende obengenannter Emeritus, der nützliche Hinweise gibt, wie man argumentativ das “everything goes” in der Kirche stützen kann.
Beim Verlassen der Kirche komme ich mit einer älteren Frau ins Gespräch, die sich über die Unbarmherzigkeit der Kirche bei wiederverheiratet Geschiedenen beschwert. Interessant dabei ist, dass sie selbst fast 50 Jahre mit ihrem Mann verheiratet war, bevor er sie als Witwe zurücklassen mußte. Sie bringt es aber nicht fertig, ihre eigene positive Erfahrung mit der lebenslangen Treue als Schatz zu erkennen, den es mit anderen zu teilen gelte, sondern im Gegenteil behauptet sie, dass man dies von niemandem heute mehr verlangen könne. Da wurde mir wieder klar, wie lange und eifrig der Vater der Lüge, der alles umwendet und verdreht, auch in unserer Kirche schon gearbeitet hat, wenn Menschen eine letztlich doch so widersprüchlichen Auffassung vehement verteidigen.
Insgesamt fand ich trotz des ungemein starken Gegenwindes die Veranstaltung einen Erfolg, bin ich doch auch mit anderen zusammengekommen, die mit unserem Papst an der Entweltlichung unserer Kirche arbeiten. Und vielleicht ist ja der eine oder andere zum Nachdenken über seine Prioritäten gekommen? Morgen werde ich einen Rosenkranz in diesem Anliegen beten.