Sonntag, 13. November 2011

"Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!"

"Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!"
(Leben des Galilei, Bertolt Brecht Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Band 5 (Stücke 5), 1988, S. 248 f )

Da gibt es Verantwortliche in Deutschland, die (fremdes!) Geld in einen Konzern investieren und immer wieder reinvestieren (sehenden Auges in Kauf nehmend, dass die eigentlichen Geldgeber von diesen mehrstelligen Millionensummen nicht den leisesten Hauch einer sinnvollen Gewinnausschüttung sehen). Aber damit nicht genug: dieser Konzern verkauft und produziert Güter, die der eigentlichen Firmenphilosophie vollkommen entgegenstehen, in etwa so wie wenn ein Waffenhändler Friedenstauben vertreibt. Welcher derartige Vorstand würde nach einem entsprechenden öffentlichen Skandal noch an seinen Sesseln kleben können?
Doch soweit nur zu den Kindern dieser Welt.
In Deutschland haben die (Erz-)Bischöfe von Augsburg, Aachen, Bamberg, Eichstätt, Fulda, Freiburg, München/Freising, Münster, Passau, Regensburg, Trier und Würzburg in den Konzern Weltbild Millionen und Abermillionen von Kirchensteuermitteln investiert, ohne je eine Gewinnausschüttung zu Gunsten von Projekten zu leisten, die den eigentlich kirchlichen Aufgaben (Liturgie, Verkündigung, Diakonie) zu Gute kommen. So weit so schlimm!
Doch der eigentliche Skandal kommt erst noch: Der Konzern verkauft und bewirbt Medien, die dem Auftrag der Bischöfe für das Seelenheil der Menschen zu sorgen genau entgegenstehen, sei es landläufig betrachtet pornographisches oder juristisch betrachtet nur erotisches Material, seien es esoterische oder sogar explizit satanistische Medien. Nun könnte ein unbedarfter Katholik sich vielleicht sagen, dass so ein Konzern unübersichtlich ist und die Bischöfe natürlich nicht wissen können, was alles über den Ladentisch geht. Doch sind sämtliche beteiligten Bischöfe zwei Mal angeschrieben und in ausführlichen Portfolios auf diesen himmelsschreienden Missstand aufmerksam gemacht worden. -
Doch keine nennenswerte Reaktion. Alle stellen sich still und hoffen, dass dieser Sturm vorüberzieht. Selbst als nun auch die Tagespresse diesen Skandal ans Licht zerrt, herrscht beklemmendes Schweigen. Erzbischof Zollitsch, der ja ansonsten in seinen berüchtigten Interviews nicht die geringste Chance auslässt, sein Ego durch das Bad in der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stärken (und ganz nebenbei gerne einmal die eine oder andere Häresie von sich gibt), ebenso wie der sich als der Vordenker einer christlichen Wirtschaftsethik (Das Kapital! selten so gelacht!) gerierende Erzbischof Marx verkriechen sich in die hinterste Ecke ihres Bischofspalais und entziehen sich dem „hic Rhodus, hic salta“.
Wenn wir zur Beurteilung unserer Hirten nun den oben zitierten Brecht heranziehen, würde der geneigte Leser den vorgenannten Bischöfen wohl zumindest das Prädikat „Dummkopf“ verleihen, ob ihnen auch das zweite zuteil wird, darüber wird jeder nach den Erklärungen der Bischöfe selbst entscheiden müssen. Die von den subalternen Erfüllungsgehilfen verlautbarten Erklärungen lassen nichts Gutes hoffen.