Sonntag, 31. März 2013

Gesten über Gesten, Fragen über Fragen, vieles bleibt unklar (1)

Gesten über Gesten, Fragen über Fragen, vieles bleibt unklar.

Das ist die Situation, in der ich mich bei dem neuen neuen Bischof von Rom befinde. Besondere Schwierigkeiten habe ich mit dem, was Franziskus bei der Feier des Gründonnerstags "zelebriert" hat. Die Liturgie des letzten Abendmahls und der Fusswaschung in einem Gefängnis zu feiern halte ich prinzipiell für eine gute Idee. Was hielt Franziskus allerdings noch als zusätzliche Geste für uns bereit. Er reihte unter die Zahl derer, denen er die Füße wäscht, auch zwei Frauen ein. Dies WIDERSPRICHT ganz klar den liturgischen Normen. Selbstverständlich hätten diese in diesem Fall vom Papst selbst geändert werden können, was aber nicht geschah, so dass das Handeln des Papstes den Normen seiner eigenen Kirche gegenübersteht. Wenn ich mich da an seinen Vorgänger erinnere, der bei der Messe in Freiburg durch Benutzung des deutschen Hochgebetes zu dem "für alle" mehr oder weniger gezwungen wurde, da die von ihm geforderte Übersetzung "für viele" noch nicht in den approbierten Texten vorkam, sehe ich hier einen deutlichen Unterschied vor allem in Sachen Demut. Benedikt hat sich nicht einfach als Herr der Liturgie geriert, in dem er einfach "für viele" gesagt hat, sondern sich demütig an die geltende Ordnung gehalten.

Wenn solche Gesten auch eine Aussage haben, was ist dann damit gemeint? Dass Frauen einfach irgendwie dazugehören? Wäre das nicht ein wenig flach? Manche wittern Morgenluft und glauben, wenn die zwölf Apostel diejenigen sind, die in die besondere Nachfolge gerufen sind, dass hier ein erstes Signal für Frauen im Weiheamt zu spüren ist.

Die offizielle Begründung lautet: Pastorale Gründe aus der Situation heraus. Das ist mit Verlaub gesagt: UNSINN. Jeder vernünftige Mensch kann sich doch genügend andere "demütige" Settings überlegen, in denen man von vornherein nicht "gezwungen" gewesen wäre, die eigene liturgische Norm zu brechen.

Leider wird dieses Beispiel ("exempla docent") dazu führen, dass die ohnehin schon durch liturgische Missbräuche katastrophale Situation durch dieses Vorgehen des Bischofs von Rom im Petrusdienst zu weiteren Nachahmungen geradezu einlädt ("wenn das schon der Papst gemacht hat, dann ich erst recht, ich will ja nicht päpstlicher als der Papst sein"). Verhöhnt kommen sich sicher auch die Geistlichen vor, die dieser Norm bisher auch gegen den Widerstand in der eigenen Gemeinde Geltung verschafft haben, und denen nun zugerufen werden kann: "Seht ihr, die Pastoral ist doch wichtiger als eure Bedenkenträgerei."

Und mit Pastoral lässt sich ja bekanntlich so gut wie alles begründen!

Donnerstag, 28. März 2013

Zwischenruf aus Rom: Die Generalaudienz

Gestern durfte ich die Erste Generalaudienz unseres neuen Papstes aus Rom vor Ort miterleben und ich war doch sehr erstaunt. Der Papst sprach nur Italienisch. Er hielt nach einem triumphalen Einzug seine Ansprache, dann folgten die Lesungen auf Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch und Polnisch. Daraufhin entbot je ein Vertreter dieser Sprachgruppen Grüße an den Hl. Vater, nannte die angereisten Pilgergruppen, trug eine Kurzfassung der Ansprache vor und gab Erläuterungen zum Segen des Papstes. Dann folgte ein kurzes italienisches Grußwort des Papstes, das der Sprachenvertreter dann übersetzt vortrug. Da ein solches Vorgehen wohl nicht an der mangelnden Sprachkenntnis des Hl. Vaters  liegen kann, frage ich mich welche Idee einer solchen Gestaltung zu Grunde gelegt ist. Die Enttäuschung der Pilger - vor allem aus den spanischsprachigen Ländern - war nämlich mit der Hand zu greifen. Es wird doch hoffentlich nicht eine Geste sein, dass der Papst sich nur noch als Bischof der italienischsprachigen Diözese Rom fühlt?

Donnerstag, 14. März 2013

Habemus Papam! Erste Gedanken

Meine ersten Eindrücke, als ich den Auftritt und die Ansprache des neuen Papstes Franziskus am Bildschirm miterleben durfte, waren mehr als zwiespältig. Wenn ich hier einmal meinen Gedanken freien Flug gewähren darf:
  1. Der Verzicht auf die Mozetta und das Anlegen der Stola lediglich zum Segen
    Werden wir es mit einem liturgischen Minimalisten zu tun haben, der ein weiteres Mal die Liturgie von allem vermeintlich „Unwesentlichen“ befreit und sie aufs „Nötigste“ kondensiert? Einer, der wieder den ganzen „Pomp“ und die „Pracht“ aus der Liturgie verbannt und alles möglichst einfach und schlicht gestaltet? Einer, der das „fascinosum et tremendum“ zu Gunsten der vermeintlichen „Verständlichkeit“ hintenanstellt?
  1. Der Name Franziskus
    Wird er entsprechend dem trivialisierten, verweltlicht einseitigen Bild des Heiligen aus Assisi sich in wundervollen Gesten und beeindruckenden Ansprachen mehr um die materiellen Bedürfnisse der „Armen“ bemühen als um die geistigen? Wird er mehr wirtschaftspolitische Fragen auf die Agenda setzen und dabei die theologischen vernachlässigen?
  1. Der Jesuit
    Bildet ein Jesuitenpapst nicht letztlich den Abschluss der Emanzipation der Jesuiten vom Papst selbst? Haben nicht die letzten Jahrzehnte eine völlige Abwendung der Jesuiten von den Idealen des Ordensgründers gezeigt? Statt Gehorsam Ungehorsam, statt Dienst für den Papst und die Kirche Besserwisserei bis hin zu ausgesprochen „eigenwilligen“ Wegen?
  1. Bischof von Rom
    In seiner ersten Ansprache hat Franziskus den Begriff Papst gemieden und sich und auch Papst Benedikt „lediglich“ als Bischof bezeichnet. Scheint hier nicht auch ein großer Schritt vorwärts hin zur Leitung der Kirche in „Kollegialität“ und damit das Absinken in Provinzialität und dem Abschied von einem Weg der Einheit und dem Ausschalten des päpstlichen Wächteramtes gegangen?

Selbstverständlich hoffe ich, dass sich diese Befürchtungen nicht bestätigen, und auch hier das Amt prägender ist als die Persönlichkeit, dass das Gefühl für Verantwortung stärker ist als die eigene Agenda und natürlich, dass auch dieser Papst mit dem Beistand des Heiligen Geistes die Kirche leitet!