Dienstag, 30. April 2013

Wenns ums Geld geht ... der gerechte Lohn

Wie in einschlägigen Veröffentlichungen zu lesen war, hat der neue Bischof von Rom im Petrusdienst die ansonsten übliche Sonderzulage von 1000 Euro für die Bediensteten des Vatikanstaates gestrichen, um sie für caritative Maßnahmen zu spenden. Viele werden sich dabei denken, dass das ein weiteres wunderbares Zeichen ist, dass die, die sowieso viel verdienen (der Normalbürger assoziiert mit den Angestellten im Vatikan ja immer riesige Verdienstspannen), diese 1000 Euro ruhig abgeben können. Leider ist diese Vorstellung lediglich ein gern gepflegtes Vorurteil, das anscheinend nun auch noch vom obersten Dienstherrn dieser Angestellten bestätigt wird. Die Realität sieht allerdings völlig anders aus. Die zivilen Angestellten des Vatikan verdienen meist ungefähr 2000 Euro. Das ist beileibe nicht viel, um in der wirklich teuren Stadt Rom ggf. auch eine Familie zu ernähren. Auch die vermeintlichen Vergünstigungen wie der Einkauf im vatikanischen Supermarkt (der - wie Insider berichten - trotz nicht berechneter Steuern keine unschlagbar niedrigen Preise berechnet) können dieses niedrige Salär nicht ausgleichen. Diesen Menschen nun auch noch - um einer Geste der Bescheidenheit gegenüber der öffentlichen Meinung willen - den Zuschlag zu streichen, der ja auch durch die Mehrarbeit im Umfeld des Konklave gerechtfertigt ist, halte ich nicht für demütig, sondern für schäbig.
Jeder, der das für überzogen hält, möge doch einmal ehrlich prüfen, wie er reagieren würde, käme sein Chef auf die Idee, das Weihnachtsgeld zu streichen, um es "caritativen Zwecken" zuzuführen. Natürlich hinkt dieser Vergleich, denn bei uns hier in Deutschland ist das so nicht wirklich zu machen, da es Verträge gibt, die dem entgegenstehen. Im Vatikan ist der Papst in dieser Hinsicht jedoch vollkommen absolutistischer Herrscher, der das ohne weiteres per Federstrich beschließen kann.
Stattdessen hätten sich doch sicher sinnvolle Alternativen angeboten, wie freiwilliger Verzicht (aber anscheinend ist das Vertrauen auf die Freiwilligkeit nicht wirklich groß!) oder vielleicht wenigstens eine Beschränkung des  Zwangsverzichts auf die angestellten Priester etc.
Das hätte allerdings diese Geste der Bescheidenheit nicht so spektakulär ausfallen lassen.
Schade um die verpasste Chance, statt einer Geste nach außen, eine differenzierte und gerechtere Lösung zur Finanzierung der caritativen Zwecke zu finden.

Montag, 1. April 2013

Gesten über Gesten, Fragen über Fragen, vieles bleibt unklar (2)

Bei der Feier von Franziskus am Gründonnerstag bleibt für mich noch eine weitere Fragwürdigkeit. Laut Angaben des Papstsprechers Lombardi waren unter den Zwölf Personen, an denen die Fußwaschung vollzogen wurde, zwei Muslime, und darunter eine muslimische Bosnierin. Ich möchte jetzt weniger auf die Teilnahme von Nichtchristen an liturgischen Handlungen eingehen, was zumindest in der Alten Kirche ein absolutes Tabu darstellte, sondern auf die Situation dieses Mädchens. Sicherlich handelt es sich dabei um keine in ihrem eigenen Glauben ausgesprochen gut unterrichtete Frau, sonst wüsste sie doch, dass sie bei wörtlicher Auslegung des Koran ihre Füße vor keinem Mann entblößen, geschweige denn dass ein Mann sie dort küssen darf. Allerdings wissen es doch die Verantwortlichen im Vatikan. Muss man nun nicht die Unwissenheit oder vielleicht auch die Schlichtheit des Mädchens zum Anlass nehmen, ihr eine solche Situation (die sie vermutlich gar nicht in ihrer vollen Tragweite überschaut hat), in der sie gegen die Normen ihrer eigenen Religion verstößt, zu ersparen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Identität dieses Mädchens bei den wenigen Insassen sicher leicht herauszufinden ist. Und ich bin sicher, dass eine ganze Anzahl radikaler Muslime auf eine solche Tat nicht gut zu sprechen ist. Wäre hier nicht mehr Überlegung und Vorsicht geboten gewesen? Wie sieht es denn tatsächlich mit dem Respekt vor anderen Religionen aus, wenn eine Demutsgeste des Papstes gegen die Vorschriften der fremden Religion verstößt? Hat doch Franziskus durch die Geste seines stillen Segen ohne Worte vor den versammelten Journalisten gerade auch dies auf seine Fahnen geschrieben.