Sonntag, 30. Juni 2013

Ökumenische Gastfreundschaft

Als ich gestern in meiner Duisburger Gemeinde St.Michael den Vorabendgottesdienst besuchte, hielt ein evangelischer Pfarrer zur Feier des Peter- und Paulsfestes die Predigt. Der Inhalt dieser Predigt war eine echte Zumutung, so dass ich mich genötigt sah, mit einer Email darauf zu reagieren:

Sehr geehrter Herr Muthmann!

Auf Ihre Predigt, die Sie gestern in der katholischen St.Michaelskirche gehalten haben, möchte ich dann doch in dieser Email reagieren, da ich denke, dass das, was Sie dort "verkündet" haben, nicht unwidersprochen stehen bleiben kann. Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihre Rede nicht immer ganz wörtlich zitiere, den Inhalt habe ich aber auf jeden Fall deutlich in Erinnerung.

1. Ihre Darlegung, dass Jesus gar keine Kirche im Sinn hatte, da er in der unmittelbaren Parusieerwartung lebte, ist doch mehr als umstritten und für uns Katholiken nicht annehmbar. (Sie verzeihen mir, wenn ich jetzt nicht die entsprechenden Belegstellen anführe, da dieser Brief ja kein theologisches Traktat darstellen soll)

2. Ihre Korrektur der Einheitsübersetzung, in der Sie behaupten, dass ekklesia hier mit Gemeinde übersetzt werden muss, empfand ich ebenso als unerträglich, nebst dessen, dass ich mich frage, ob damit Ihrem Anliegen wirklich gedient wäre.

3. Natürlich waren diese Dinge nur die Vorbereitung auf die eigentliche These, dass es gar kein Petrusamt gäbe und jeder Christ die Vollmacht zu binden und zu lösen hätte, da Petrus hier nur als Chiffre für alle Gemeindemitglieder stände. Nebst allen weiterführenden theologischen Überlegungen stelle ich mir da nur die simple Frage: Warum hat es Jesus dann nicht so gesagt, sondern den Petrus direkt angesprochen?

Jenseits dieser inhaltlichen Ärgernisse möchte ich doch auch die Frage nach der Opportunität der Darlegung Ihrer Gedanken stellen. Ist es wirklich im Sinne der ökumenischen Zusammenarbeit im Rahmen einer versöhnten Verschiedenheit, einen Glaubensinhalt der ökumenischen Schwestern und Brüder offen anzugreifen? Ist es wirklich fair, einer Gemeinde, bei der man das Gastrecht genießt, darzulegen, dass Sie das Falsche glaubt, vor allem da ja auf eine Predigt auch niemand reagieren kann und somit Ihre Worte auch zur Verunsicherung der katholischen Gläubigen stehenbleiben. Selbstredend haben Sie gesagt, dass dieses Thema kontrovers sei, aber haben danach nur noch Ihre Sicht dargelegt und zwar in Worten, die keinen Widerspruch zulassen ( "muss übersetzt werden", "hat nur in der Naherwartung gelebt" etc.). Ich finde es immer interessant zu bemerken, dass dort, wo kein allgemeines Lehramt anerkannt wird, sich viele kleine Lehrämter installieren und die Wahrheit für sich in Anspruch nehmen.

Für mich stellt sich hier die Frage, ob die ökumenische Gastfreundschaft im Predigtamt gerade auch durch solche negativen Erfahrungen tatsächlich weiter geführt werden soll, zumal sie ja eigentlich katholisch kirchenrechtlich nicht erlaubt ist.

Gerne setze ich mich auch mit Ihnen noch persönlich auseinander, wenn Sie es wünschen. Zudem möchte ich betonen, dass ich in meiner Eigenschaft als mündiger gefirmter Laie, als Einzelperson diesen Brief geschrieben habe.

So verbleibe ich

mit freundlichem Gruß und

der Bitte um Gottes Segen für Sie