Mittwoch, 4. Februar 2015

Jorge Bergoglio SJ alias Franziskus besser verstehen!

Je mehr ich von Franziskus gelesen habe, desto klarer wurde mir seine Kommunikationsstruktur, die ich nun versuche im Folgenden knapp darzulegen: Die Äußerungen von Franziskus sind auf drei sehr unterschiedlichen Ebenen zu lesen.

Es gibt eine beabsichtigte!!! einfache Botschaft, die an die Medien gerichtet wird und dort bereitwillige Aufnahme findet. Diese kommt auch sowohl beim nicht mit der Lehre der Kirche vertrauten, fernstehenden oder kirchenkritischen Katholiken gut an, ebenso wie bei den Eine-Welt-Religionsanhängern und bei Ungläubigen. Bekanntestes Beispiel ist das "Wer bin ich da zu urteilen?" Für den o.g. Personenkreis ergibt sich daraus ein Freifahrtschein für eine in jeder Spielart ausgelebte Homosexualität.

Eine weitere Ebene ist die Botschaft an die Beschwichtigungswilligen, die sich vor allem unter den sog. Neokonservativen finden. Indem er nämlich seinen Äußerungen auch durchaus rechtgläubiges Material lose hinzufügt, kann jeder irgendwie einen Ausweg finden, um zu sagen: Der Papst ist ja doch katholisch! Beim obigen Beispiel ist für die Beschwichtiger das Teilsätzchen eingefügt: Wenn ein Homosexueller (gay) Gott sucht, .... Das läßt viel Spiel- und Interpretationsraum. Gilt die Rücknahme des eigenen Urteils nur, wenn es sich um einen gläubigen Homosexuellen handelt? Ein gläubiger Homosexueller darf doch sowieso keinen Sex haben etc. etc. etc.

Die letzte Ebene richtet sich an die Traditionalistischen Christen, denen er durch so völlig abwegige Beispiele aus ihrem Bereich einen Popanz aufbaut, den sie für sich selbst selbstverständlich nicht annehmen können, aber von allen anderen doch deutlich als heftige Kritik an ihren Ansichten verstanden wird und vom Papst mit Sicherheit auch so gemeint ist. Diese Kommunikation mittels "Popanzierung" findet sich in zahlreichen Beispielen wie "Wenn einer Antworten auf alle Fragen hat, dann ist das der Beweis dafür, dass Gott nicht mit ihm ist. Das bedeutet, dass er ein falscher Prophet ist."(Interview mit Antonio Spadaro 19.8.2013) Keiner wird von sich selbst behaupten wollen, dass er auf alle Fragen eine Antwort weiß. Läuft dieser Vorwurf also ins Leere? Nein, hier verwirft Bergoglio die Katechismen, die ja genau dazu geschrieben wurden, um dem Gläubigen Antworten auf alle denkbaren Fragen in Glaubenslehre und Moral zu geben. Oder "Es ist gut, dass man in uns nicht so sehr Experten für apokalyptische Diagnosen sieht bzw. finstere Richter, die sich damit brüsten, jede Gefahr und jede Verirrung aufzuspüren, sondern ..." (Evangelii Gaudium 168). Wen trifft denn nun der Vorwurf des Apokalypse-Experten und finsteren Richters? Keiner wird sich als solcher bezeichnen, also greift er einen Popanz an, aber die Kritik an der Warnung vor ewiger Verdammnis und der negativen Beurteilung unmoralischer Handlungen bleibt doch im Raum stehen und trifft eben die Katholiken, die sich den tradierten Werten und Anschauungen verpflichtet fühlen.

Franziskus ist nicht der joviale und naive Mann, als der er gerne hingestellt wird. Er ist ein Meister (jesuitisch geschult) im Umgang mit seinen Zuhörern. Seine Worte sind keinesfalls zufällige Unvorsichtigkeiten oder ihm einfach so herausgerutscht. Nein, er setzt auf allen drei Ebenen die Botschaften, die ihm wichtig sind. Man muss sie nur verstehen wollen!

Franziskusperle 301